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ZENIT - Die Postmoderne ist offen für die Religion
eren Breiten vor Religiosität wie in einer
Waschküche. Esoterik und Spiritualitäts-Markt, auch im Internet, liefern Women die Angebote, aufj die
der Glaube der Ungläubigen so gerne antwortet. Edelsteine und Dinkelmehl heißen die sanften_Heilbringer, wennm e knicht gleich mit Schamanismus, Magie und Satanismus ernsthaft zur Sache geht. Aber auch darin wabert eine Götterdämmerung, denn um Götter oder gar Gott geht es nicht mehr, es geht um jenes vage pantheistische Gefühl, dass es „irgendwie“ ein All-Leben gibt, in das man heute oder später eintauchen will. Wie könnte in einem Lande Religiosität am Ende sein, wo zwar die Auferstehung mehr als fraglich ist, man sich aber als Fußballfan in Hamburg in einen Fanfriedhof des FC St. Pauli einkaufen kann, von dem aus der postmortale (wahrscheinlich leicht stechende) Blick aufs Stadion möglich ist?
Jedenfalls hat das Wort-eligion Konjunktur. Auf dem 11.d Philosophicum in Lech im vorigen Herbst ging estum die Gretchenfrage: „Nun sag, wie hastx dusc mit der Religion?“ Robert Menasse meinte mit der Behauptung verblüffen zu müssen, Religion sei keineswegsmit der Aufklärung langsam, aber stetig vabgestorben. Es habe sich zwar herumgesprochen: „Wir können bekanntlich nicht
davon ausgehen, dass esj einen Gott gibt.“(2) Dennoch gelte gegenläufig: Religion sei der wichtigste Bestandteil der Geldwirtschaft und habe ihre Güter in diese eingebracht: Transzendenzbezug und Erfahrung von Heil. Religion wird zum „Scharnier (...), mit dem der Kapitalismus das Sakrale in seine eigenen Strukturen aufnehmen kann, um so selbst zur Religion zu werden“. Säkularisierung also wäre der größte Trick der Religionen: alter Wein in camouflierten Schläuchen. Am behaupteten Inhalt der Religion, genauer des Christentums, ist nach Menasse natürlich so nichts dran, doch entspricht es schlicht der seelischen Erwartung jenes Höheren, das zur eigenen Überhöhung beiträgt. Kurz, der Mensch will – wider besseres Wissen, aber mit besserem Gefühl – religiös sein, und als solches Grundbedürfnis ist Religion nicht nur nicht tot, sie ist lebendiger denn je. Sie bleibt Wunscherfüllung, Opiat, „Kokain“ (Umberto Eco), wenige Generationen nach Marx und Nietzsche, deren Scharfsinn die menschliche Psyche in ihrem Willen zur Selbsttäuschung unterschätzte. So wenig die Kirchen dieses Gefühl – laut Menasse – einfangen, so sehr bedienen sich moderne Größen dieses wunderbaren Mittels: „Staat und Gesellschaft haben die Tendenz, in Selbstbild und Wirkung spirituell-religiöse Gebilde zu werden.“ Diese unterschwellige Sakralisierung der politischen und medialen „Sterne“ und die Anbetung des Konsums spießen auf, was seit langem als Funktionalisierung der Religion beschrieben wird. Gerade weil die in der Religion angesprochenen Kräfte machtvoll wirken und offenbar in die Tiefe des Menschlichen reichen, wird ihre Energie anderen Zwecken zugeführt: sei es der ethischen Zähmung einer unübersichtlichen (Welt-)Gesellschaft durch ein angebliches Weltethos der Religionen, sei es der psychischen Bedürfnisstillung, die auch Freud anerkannte, zum Beispiel der Sinnstiftung in den sinnleeren spätmodernen Lebenswelten, sei es des medialen Götzenkultus im „telekratischen Totalitarismus“ (Botho Strauß). Dass Religion auch ein gesellschaftliches Instrument ist, eben sozial-ethisch, psychologisch, medial, ist im übrigen unbestreitbar und trifft für alle Religionen zu. Soziologie, Psychologie und die Kommunikationswissenschaft, drei theoretisch agnostische Berufsfelder, haben längst die Dienlichkeit der Religionen für funktionierende Gesellschaften und Individuen erkannt und – im Unterschied zu früher – ohne Häme beschrieben.
Was damit jedoch völlig ausgeblendet wird, ist die Unterscheidung der Religion vom Glauben, also dasjenige, was Judentum und Christentum als Offenbarung über das Wesen Gottes selbst empfangen zu haben behaupten. Diese Offenbarung sperrt sich in vielen Teilen der Vermarktung und geißelt sie sogar rundheraus – wie bei den Propheten, wie in der Tempelreinigung Jesu, der die Händler als Tempelschänder hinauswirft. Tatsächlich sind menschengemachte Überzeugungen in den Religionen immer wieder am Ende und können als Selbstprostitution „entlarvt“ werden. Über den „lebendigen Gott“ sagen solche Entlarvungen nichts, oder, um den Spieß umzudrehen: Religionskritik der prophetischen Art dienen Seinem Namen. Dass sich in der Folge auch aus solchem Glauben abgeleitete „Vorteile“ für die Gesellschaft ergeben (können), ist unbestritten: Juden und Christen können durchaus ethisch verlässlicher, verantwortungsvoller, achtsamer auf Schöpfung und Menschenrechte sein als agnostische Zeitgenossen. Sie können sich allerdings auch einer bestimmten Staatsräson verweigern: beispielsweise in bioethischen Fragen, in der Abtreibung, in der Euthanasie, im Umgang mit Homosexualität, im Konsumismus, in der verlangten Areligiosität von Schule. In Zukunft werden diese Fragenfelder härter werden und möglicherweise zum Ausschluss von Christen aus bestimmten Positionen und Gremien führen. Der Wechsel aus einer staatstragenden zu einer staatskritischen Gruppe ist für das Christentum der Nachmoderne wohl vorprogrammiert. Daher ist Glaube, der vom lebendigen Gott spricht, im Unterschied zu Religionen keineswegs am Ende, wenn die Religionen im Weltdienst untergingen. Nein, Glaube bleibt Kritik an diesem Weltdienst, sofern Religion das Getriebe staatlicher und sozialer Interessen liebedienerisch ölt.
Guardini bestimmte den Abstand zwischen Religion und Glaube genauer: „Der bloß religiöse Mensch dreh
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